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© Birgit Klaas
Die ursprüngliche wilde Hauskatze mit ihrem black tabby (schwarz getigert) Muster zeigt die
größte Ansammlung von dominanten Genen. Fast alle Abwandlungen von diesem
Wild-Typ werden rezessiv vererbt und können nur dann sichtbar werden, wenn
beide Elternteile diese Gene tragen. Die ersten Mutationen, die bei einer
Katze gesehen wurden, waren rein schwarze Katzen ohne Muster. Um 1918 rum
wurde entdeckt, wie sich diese Mutationen - also die Abwandlungen vom
Wildtyp - vererben. Das Prinzip ist für alle rezessiven Gene gleich.
aa - Non-agouti und Tabby
Wenn man eine black tabby Hauskatze - also den Wildtyp - mit einer schwarzen
Hauskatze verpaart, werden zunächst keine schwarzen Kätzchen dabei geboren
werden. Wenn man allerdings zwei dieser Babys miteinander verpaaren würde,
werden 1/4 der Babys schwarz sein. Wer sich mal mit Johann Mendel und seinen
Erbsenpflanzen befasst hat, wird die selben Erbgänge erkennen.
Im Beispiel 1 verpaaren wir die Wildkatze mit der schwarzen Katze. Wir
nehmen die Wildkatze als Vater - die Gene stehen in der oberen Reihe - und
die schwarze Katze wird die Mutter - die Gene stehen in der senkrechten
Spalte.

Die Wildform ist das Tabby-Muster. Dieses Gen wird mit groß A bezeichnet. A
für Agouti (ein Agouti ist ein kleines Nagetier mit bebänderten Haaren -
daher hat das Gen seinen Namen) und ein Großbuchstabe, weil das Gen dominant
ist. Der Vater ist der Wildtyp - er ist reinerbig für das Gen A (reinerbig
oder homozygot).
Die Mutter ist schwarz. Sie hat die Gene aa. In diesem Fall ist das
Agouti-Gen klein geschrieben. D.h., das Gen liegt in seiner rezessiven Form
vor. Diese Form nennt man non-agouti (nicht agouti). Da die Mutter das Gen
doppelt hat, kann es sichtbar werden. Die Mutter zeigt also keinerlei
Zeichnung - sie ist ganz schwarz.
Wie sehen nun die Babys aus?
Sie erben ja jeweils ein Gen vom Vater und ein Gen von der Mutter. Vom Vater
können sie nur ein A erben - weil der Vater reinerbig für A ist - und von
der Mutter können sie nur ein a erben, weil sie ebenfalls reinerbig ist. Die
Babys werden also mischerbig (heterozygot) sein - sie haben die Gene Aa. Da der Wildtyp
dominant ist, setzt sich die Tabby-Zeichnung gegenüber der schwarzen Farbe
ohne Zeichnung durch. Die Babys sind also - wie der Vater - Tabby. Sie
tragen allerdings das rezessive Gen von der Mutter.
Im Beispiel 2 verpaaren wir nun zwei der Babys aus dem o.g. Wurf.

Beide Elternteile tragen die Gene A und a. Sie können also entweder ein
großes oder ein kleines A weitergeben - also entweder die dominante oder die
rezessive Form. Bei den Kindern ergibt sich in der 2. Generation also
prozentual 1/4 AA = reinerbige Tabby-Tiere, 1/4 aa = reinerbige schwarze
Tiere und 1/2 Aa = mischerbige Tabby-Tiere.
bb - b1b1 - Braun und Hellbraun (Cinnamon)
Das Gen b verändert die Farbe Schwarz zu Braun (das Schokoladenbraun der
Havanna oder der Chocolate-Point Siamesin). Die Pigmentkörner haben beim
Genotyp bb eine geringere Farbintensität und eine etwas andere Form als beim
Schwarz BB.
Das Gen b1 verändert Schwarz zu Hellbraun (Cinnamon). Die Farbe ist deutlich
heller als Havanna -ein warmes Zimtbraun. Das Gen b1 ist rezessiv zu B und
zu b.

von links nach rechts die Auswirkung der Gene B (schwarz), bb (havanna,chocolate)
und b1b1 (cinnamon, zimtfarben).
cbcb - cscs - Burma - Siam
Das Gen C steht für die Vollfarbe - die rezessiven Gene cb und cs für
Teilalbinismus. Das Gen c bezeichnet den echten Albino und steht am Ende der
Reihe Burma - Siam - Albino.
Die Gene cb und cs bewirken, dass sich nur an den kalten Körperstellen
Pigment bilden kann. Das Gesicht, die Ohren, die Füße und der Schwanz sind
also pigmentiert und damit farbig. Der Körper selber ist wärmer und bildet
keine Farbpigmente aus - er bleibt hell. So entsteht das typische
Erscheinungsbild der Siam. Bei der Burmesin ist der Unterschied Points
zu Körperfarbe kaum zu erkennen - der Kopf ist nur leicht dunkler als der
Körper.
Die Farbpigmente bleiben lebenslang temperaturempfindlich. Bei sehr kalter
Raumtemperatur dunkeln die Siamesen stark nach, bei Hitze werden sie heller.
Beim Tragen eines Verbandes wird das Fell darunter wegen der Wärme hell -
genau so bei Entzündungen.
Die Katze mit der größten Anzahl rezessiver Gene ist die lilac point Siamkatze: aa
bb cscs dd
Sie würde nur noch von ihrer halblanghaarigen Schwester - der Balinesin
übertroffen, da sie auch noch das ll für Langhaar hätte.

Siamesen und Balinesen werden völlig weiß geboren und entwickeln erst im
Laufe der Zeit die farbigen Abzeichen.
Zwischen beiden Fotos liegt ca. eine Woche:

Die Abzeichenfarben verhalten sich untereinander so wie die Vollfarben.
dd - Verdünnung - aus schwarz wird blau - aus rot wird creme
Das Gen d bewirkt eine ungleichmäßige Verteilung der Farbpigmente. Das
Pigment wird ungleichmäßig verklumpt und spärlicher im Haarschaft verteilt.
Optisch wird aus der Grundfarbe schwarz blau und aus der Grundfarbe rot wird
creme.


Aus schildpatt wird ein verdünntes schildpatt - blau-creme oder blue tortie
genannt.

Zur Übung verpaaren wir einen Kater in Havanna (Chocolate) mit einem Mädchen
in Blau.
Die Farb-Gene werden unabhängig voneinander vererbt und können sich
gegenseitig beeinflussen.
Die Tabelle zeigt nun die für uns in diesem Fall wichtigen Gene B und D. In
der oberen Reihe stehen alle möglichen Gen-Kombinationen, die der Vater
vererben könnte und in der senkrechten Reihe alle möglichen
Gen-Kombinationen aus B und D, die die Mutter vererben könnte.
Der Kater ist braun (Havanna, Chocolate) - also bb und trägt Verdünnung Dd -
er hat also den Genotyp bbDd.
Die Mutter ist blau und trägt Chocolate - sie hat den Genotyp Bb und dd (für
blau)

Es können vier Arten von Babys fallen:
BbDd: dieses Baby trägt braun und blau, aber durch die dominanten Gene B und
D können diese Farben nicht sichtbar werden - das Baby ist schwarz
Bbdd: dieses Baby hat das dominante Gen für B und zweimal das rezessive Gen
für Verdünnung d. Es ist blau
bbDd: dieses Baby hat zweimal das rezessive Gen für braun und das
Gen D für Verdünnung liegt in der dominanten Form vor - es ist braun (chocolate, havanna)
bbdd: hier treffen die rezessiven Gene braun und blau zusammen. Wir erinnern
uns, dass bb eine geringere Farbintensität und eine etwas andere Form als
beim Schwarz BB hat ,und dass das Gen dd das Pigment ungleichmäßig verklumpt
und spärlicher im Haarschaft verteilt. Diese beiden Eigenschaften wirken nun
zusammen und ergeben eine neue Farbe: lilac - auch lavender genannt.
Das Foto zeigt links chocolate und rechts lilac.

und hier die Katze mit der größten Anzahl rezessiver Gene:
Siam, lilac point
Sie würde nur noch von einer langhaarigen Siamesin - also einer Balinesin
- übertroffen werden, da diese noch das ll für Langhaar aufweisen würde.

gg - Gloves (Handschuh-Gen)
Die Farbe weiß ist - wie wir noch sehen
werden - dominant. Die weißen Pfötchen der Heiligen Birma werden aber, wie
Verpaarungen mit einfarbigen Katzen gezeigt haben, rezessiv vererbt. Daher
nimmt man ein eigenes, rezessives Gen für diese Handschuhe und Sporen an.
Auf den Fotos sieht man
deutlich die weißen Abzeichen an den Vorder- und Hinterpfötchen. Die
Birmazüchter haben im Standard genau vorgeschrieben, wie diese Handschuhe
und Sporen aussehen müssen. Eine Birma in Show-Qualität ist daher nicht
leicht zu finden.
aus dem Standard der WCF (World Cat
Federation);
Die Besonderheit der Birmakatzen sind die weißen „Handschuhe" und „Sporen".
Als Handschuhe bezeichnet man die weißen Abzeichen an allen vier Pfoten.
Wesentlich ist vor allem die Gleichmäßigkeit und Symmetrie der Handschuhe;
sei es zwischen den Vorderpfoten einerseits und den beiden Hinterbeinen
andererseits; oder - noch besser- die Gleichmäßigkeit aller vier Pfoten. Das
Weiß ist absolut rein; es kann an der Zehenwurzel oder am Gelenk enden. Es
darf sich nicht auf das Bein erstrecken. Etwas längere Handschuhe an den
Hinterpfoten werden toleriert. Als Sporen bezeichnet man die weißen
Abzeichen an den Fußsohlen der Hinterbeine, die zu einer Spitze auslaufen.
Sie sollen an beiden Sohlen gleichmäßig sein und enden möglichst mittig auf
dem Mittelfußknochen.



Fotos mit freundlicher Genehmigung von
Nanette Esser - Birma El Sharani
ll - Langhaar
Das letzte rezessive Gen ist das Langhaar-Gen. Die Urform ist kurzhaarig.
Viele "Hobby-Züchter" verpaaren ihre Perser-Katze mit ihrem Hauskater und
wundern sich, dass alle Babys kurzhaarig sind.
Die Tabelle zeigt, warum das so ist:

Alle Babys haben den Genotyp Ll - sie haben das dominante Gen L für
Kurzhaarigkeit und das rezessive Gen l für Langhaarigkeit. Sie sind
also kurzhaarig und tragen das Langhaargen.

Links Heilige Birma - rechts Siamkatze - der gleiche Genotyp bis auf das
Langhaargen ll und die Handschuhe gg bei der Birmakatze.
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